Bauern sichern Lebensmittelmittelversorgung?

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lehrchen

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Bauern sichern Lebensmittelmittelversorgung?

von lehrchen am 03.03.2010 20:45

Bauern sichern Lebensmittelmittelversorgung?
Vor einigen Monaten las ich auf diversen Webseiten über die Diskussion, ob Staaten wie Österreich oder Deutschland sich lebensmittelmässig in Krisen- oder Notzeiten selbst versorgen könnten. Viele haben damals geglaubt, ja, das wäre möglich.

Ich habe mit Bauern selbst gesprochen, habe recherchiert und bin zu einem schockierenden Ergebnis gekommen. Passiert nicht viel, das heisst, die Infrastruktur und Finanzstruktur bleibt bestehen, könnte es durch Veränderungen des Anbaus tatsächlich gelingen, in ein oder zwei Jahren das Land versorgen zu können. So müssten zB. die Ölpflanzen wieder verschwinden, statt dessen Gemüse angebaut werden, das auch benötigt wird. Wie gesagt, wenn die Infrastruktur erhalten bleibt.

Wenn allerdings durch einen Systemkollaps auch die Infrastruktur zusammenbricht, ist die Lebensmittelversorgung durch Bauern binnen kürzester Zeit nicht mehr möglich!

So benötigen viele Nutztiere spezielles Futter, ohne das sie entweder gar nicht lebensfähig sind oder zB. keine Milch mehr geben können. Kann dieses Futter nicht mehr geliefert werden, fällt meist der komplette Betrieb aus! Auch Zuchtbetriebe benötigen meist spezielles Kraftfutter, ohne dem der Betrieb nicht oder nur sehr schwer aufrechterhalten werden kann.

Auch bei Fruchtbauern, also jene Betriebe, die Getreide, Rüben, Mais, etc. anbauen, werden erhebliche Schwierigkeiten zu erwarten sein, da die meisten Feldfrüchte nicht reproduzierbar sind. Das heisst, die Bauern können nicht, so wie früher, aus den angebauten Früchten selbst den Samen für das nächste Jahr ziehen. Es sind fast ausschliesslich Züchtungen in Verwendung, wo dies unmöglich ist. Der Samen für die Aussaat muss jedes Jahr neu gekauft werden.

Dazu kommt, dass die meisten Bauern in der Schuldenfalle sitzen. Je grösser der Betrieb, desto mehr Schulden sind in der Regel vorhanden. Durch die jahrelangen Monokulturen sind auch die Böden oftmals ausgelaugt.

Die einzige Ausnahme sind kleine bis Kleinstbetriebe, die teilweise auch eigenständig vermarkten und die Biobauern, die zumindest ihren Samen teilweise selbst herstellen können. Österreich hat zwar europaweit den grössten Anteil an Biobauern, doch dies reicht bei weitem nicht aus, die Bevölkerung zu versorgen!

Umzustellen, das heisst, anderes Saatgut zu verwenden und andere Früchte zu ernten oder auf andere Tierzüchtungen umzusteigen, dauert Jahre! Binnen kurzer Zeit, wie ein Jahr bis zur nächsten Ernte, ist definitiv nicht möglich! Zum einen weil entsprechendes Saatgut fehlt bzw. traditionelle Rassen, die nach herkömmlicher Weise gefüttert werden können und nicht permanent auf einen Tierarzt angewiesen sind, ebenso kaum verfügbar sind!

Die Bauern haben in den letzten Jahrzehnten einen grossen Wandel durchgemacht und von gesunden, aber nicht sehr ertragreichen Mischbetrieben zu Spezialisten von Monokulturen geworden. Ohne entsprechende Technik und Einsatz von Wachstumsmittel bzw. -hilfen läuft nichts mehr! Und mit diesem Wandel ist auch ein wichtiger Teil des früheren Wissens verloren gegangen, das, wenn es wieder benötigt wird, nur mühsam rekonstruiert werden muss. Es wurde auf maximalen Ertrag und maximalen Gewinn umgestellt. Vom Saatguthersteller bis hin zum Bauern. Diese Entwicklung ist nur sehr schwer umkehrbar!

Damit wird klar, wie wichtig ein privates Krisenlager werden kann! ... wenn die Grundversorgung nicht mehr gesichert ist. Auch der eigene kleine "grüne Fleck", auf dem man selbst Gemüse pflanzen kann, wird enorm wichtig werden. Damit man überhaupt seine Familie versorgen und durchbringen kann. Dass es zu Versorgungsschwierigkeiten bis hin zum Zusammenbruch der Infrastruktur kommen wird, zeichnet sich immer deutlicher ab, wenn der grosse Knall kommt. Und glaube nicht, mein lieber Freund, dass dann der Staat helfen kann! Er ist schon jetzt, wo es noch ein Kriserl ist, heillos überfordert. Dann, wenn die Strukturen zusammenbrechen, bricht auch der Staat weitgehend zusammen.

Johannes ([email protected])
;-)

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